Historic Folk

Sandra

Sandra Hufnagel
Ich glaube nicht an Zufälle im Leben. Und so war es gewiss so etwas wie Fügung, dass ich vor einem Jahr Bernd Marschall, mit dem ich Ende der 90er Jahre mehrere Theater‐Projekte im Jakobus‐Theater und anderen Bühnen gemacht habe, nach 10 Jahren plötzlich in Weiherfeld wieder traf und wir feststellten, dass wir Nachbarn sind.

Außerdem war zu dieser Zeit der Part der Sängerin bei Tam Lin zu besetzen. In den Sommerferien haben wir zunächst zu zweit einige keltische Lieder aus dem Tam Lin Programm probiert und dabei festgestellt, dass meine Alt Stimme hervorragend mit Bernds Tenor harmoniert.

Es sollte nicht beim Einstudieren der bisherigen Tam Lin Lieder bleiben, sondern wir wollten das Band‐Profil um Neuinterpretationen historischer Lieder erweitern. Dabei sollten alte Texte mit mittelalterlicher bzw. Rennaissance‐ oder auch keltischer Musik verschmelzen. Das ganze wäre dann mit einem Schuss Rock abzuschmecken. Das Konzept des Historic Folk war geboren.

Zuerst haben wir eine neue Version der Merseburger Zaubersprüche mit Klangschalen erarbeitet, die wir nicht als Therapie‐Gerät, sondern als Musikinstrument verwenden. Hinzu kam die spätmittelalterliche Rabenballade, die auf einer schottischen Melodie basiert. Als Zwischenspiel ertönt die Recercada aus dem 16. Jh mit einem modernen, tanzbaren Groove. Weitere Bearbeitungen von Stücken aus dem Glogauer Liederbuch (All Voll) und der Carmina Burana (Totus Floreo) mit eingewobenen keltischen Melodien schlossen sich an und so erschienen wir gut vorbereitet in der ersten Bandprobe nach den Ferien.

Linda, Lübbe und Micha waren sofort begeistert von den Liedvorschlägen und so haben wir uns an die Arbeit gemacht, um das Rohmaterial stimmig in den typischen Tam‐Lin‐Sound einzufügen, wobei jeder Mitspieler seine Jahrelange musikalische Erfahrung einfühlsam eingebracht hat, so dass im Probenverlauf etwas gemeinsames Neues entstanden ist.

Da ich ursprünglich aus der Theaterecke komme (u.a. Szenische Märchen für und mit Kinder und Jugendlichen), habe ich mit Bernd für die neuen Songs kleine Choreographien im Gauklerstil erarbeitet. Im Laufe des Winters wurde ein abendfüllendes, farbenfrohes und tanzbares Programm geschaffen, das wie in einem Märchen für Erwachsene von Liebe und Leidenschaft, Schönheit und Vergänglichkeit, von Extase, Sinnlichkeit und menschlichen Abgründen, sowie von Hoffnungen und
Enttäuschungen erzählt.

Bei unserer Feuerprobe im Jakobus‐Theater im Februar 2009 saß mein Vater, der Dudelsackspieler „Mac Moody“ im Publikum. Er war so sehr von unserer Musik und der Show begeistert, dass er bald darauf im Proberaum auftauchte und Tam Lin nun als Gastmusiker mit seiner Highlandpipe und Red‐Pipe engagiert unterstützt und somit das Sahnehäubchen auf unserem Historic Folk bildet.

Alles in Allem betrachtet sind, wie in einem Märchen, drei ein lang gehegte Wünsche in Erfüllung gegangen: Zum einen bin nun Sängerin in einer Folk‐Band mit fröhlichen aber auch melancholischen Liedern. Ich habe zum anderen die Möglichkeit gefunden, Musik, Theater und Tanz mit einem stimmigen Konzept zu verbinden. Und last, not least, und das ist mir eine ganz besondere Freude, darf ich endlich mit meinem Vater gemeinsam auf der Bühne stehen.